Autor: Priv.-Doz. DDR. Patrick Nierlich MBA, FEBVS
Gefäßchirurg in Wien
Letzte Aktualisierung: 01.06.2025

Varizen erkennen und vorbeugen -- Ursachen, Symptome und Diagnose

Krampfadern rechtzeitig erkennen – warum die Diagnose so wichtig ist

Krampfadern, medizinisch Varizen genannt, sind weit mehr als ein kosmetisches Problem. Viele Betroffene nehmen sichtbare Venen anfangs vor allem als ästhetische Veränderung wahr. Tatsächlich steckt dahinter jedoch häufig eine behandlungsbedürftige Venenerkrankung, die sich über Jahre langsam verschlechtern kann. In Österreich sind sehr viele Erwachsene betroffen, oft ohne zunächst zu wissen, dass bereits eine relevante Venenschwäche besteht.

Gerade deshalb ist eine frühzeitige Diagnose so wichtig. Unbehandelte Varizen können im Verlauf nicht nur Beschwerden wie schwere Beine, Schwellungen und Spannungsgefühl verursachen, sondern auch zu chronischen Hautveränderungen, Venenentzündungen und im fortgeschrittenen Stadium sogar zu einem offenen Bein führen. In meine Ordination in Wien und Korneuburg biete ich Ihnen eine umfassende Venendiagnostik an – schmerzfrei, ohne Strahlenbelastung und als verlässliche Grundlage für eine individuell abgestimmte Therapieempfehlung.

Was sind Varizen und wie entstehen Krampfadern?

Varizen sind krankhaft erweiterte oberflächliche Venen, in denen das Blut nicht mehr ausreichend effizient zum Herzen zurücktransportiert wird. Die Ursache liegt in einer Funktionsstörung der Venenklappen. Diese Klappen wirken normalerweise wie kleine Rückschlagventile: Sie sorgen dafür, dass das Blut in den Beinvenen nur in Richtung Herz fließt.

Wenn diese Venenklappen nicht mehr richtig schließen, sackt das Blut durch die Schwerkraft in den Beinen zurück. Es entsteht ein Rückstau, der Druck in der Vene nimmt zu und die Venenwand weitet sich zunehmend aus. Dadurch entstehen die typischen sichtbaren, geschlängelten Krampfadern. Je länger dieser Prozess besteht, desto eher nimmt die Erkrankung an Ausmaß zu.

Wichtig ist: Krampfadern sind keine reine Alterserscheinung. Auch jüngere Menschen können betroffen sein, insbesondere wenn eine familiäre Veranlagung besteht oder zusätzliche Risikofaktoren vorliegen.

Welche Formen von Krampfadern gibt es?

Nicht alle Krampfadern sind gleich. Je nach betroffenem Venenabschnitt unterscheide ich verschiedene Formen, die sich in ihrer Bedeutung und in der Behandlungsnotwendigkeit unterscheiden.

Stammvarikose

Dabei ist eine der großen oberflächlichen Stammvenen betroffen, also meist die Vena saphena magna oder die Vena saphena parva. Das ist die häufigste und medizinisch bedeutsamste Form der Varikose. Sie sollte in der Regel genauer abgeklärt und je nach Befund behandelt werden.

Seitenastvarikose

Hier sind Seitenäste der Stammvenen erweitert. Diese Form tritt häufig gemeinsam mit einer Stammvarikose auf und kann ebenfalls Beschwerden verursachen.

Retikuläre Varizen

Dabei handelt es sich um feinere, netzartig verlaufende erweiterte Venen unter der Haut. Sie sind meist vor allem kosmetisch störend, können aber auch ein Hinweis auf eine tieferliegende Venenschwäche sein.

Besenreiser

Besenreiser sind kleinste sichtbare Venenerweiterungen direkt in der Haut. Medizinisch sind sie meist harmlos, sollten aber bei zusätzlicher Symptomatik oder familiärer Belastung dennoch ernst genommen werden.

Welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen Krampfadern?

Die Entstehung von Krampfadern ist meist multifaktoriell. Das bedeutet, dass mehrere Ursachen und begünstigende Einflüsse zusammenwirken. Einige davon lassen sich nicht beeinflussen, andere sehr wohl.

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren

Genetische Veranlagung

Die familiäre Veranlagung ist der wichtigste Risikofaktor. Wenn nahe Angehörige unter Krampfadern leiden, ist das eigene Risiko deutlich erhöht. Häufig liegt eine angeborene Bindegewebsschwäche zugrunde.

Alter

Mit zunehmendem Lebensalter verlieren Venenwand und Venenklappen an Elastizität. Dadurch steigt das Risiko für eine Klappeninsuffizienz und in weiterer Folge für Varizen.

Geschlecht

Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Eine wichtige Rolle spielen dabei hormonelle Einflüsse, insbesondere Östrogen und Progesteron.

Beeinflussbare Risikofaktoren

Langes Sitzen oder Stehen

Wer beruflich über viele Stunden steht oder sitzt, belastet das Venensystem dauerhaft. Die Muskelpumpe der Beine wird dabei zu wenig aktiviert.

Bewegungsmangel

Die Wadenmuskulatur unterstützt den venösen Rückfluss ganz wesentlich. Fehlt regelmäßige Bewegung, arbeitet diese Muskelpumpe unzureichend.

Übergewicht

Ein erhöhtes Körpergewicht steigert den Druck auf das Venensystem und begünstigt den Rückstau in den Beinvenen.

Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft belasten hormonelle Veränderungen, das erhöhte Blutvolumen und der Druck im Becken die Venen zusätzlich.

Wärmebelastung

Hitze erweitert die Venen. Längere Wärmeexposition, etwa durch heiße Bäder oder ausgedehnte Saunagänge, kann bestehende Beschwerden verstärken.

Woran erkenne ich Krampfadern?

Krampfadern machen sich nicht immer sofort durch deutlich sichtbare, geschlängelte Venen bemerkbar. Häufig stehen anfangs eher unspezifische Beschwerden im Vordergrund. Genau deshalb wird eine Venenerkrankung oft lange übersehen oder nicht ernst genommen.

Typische Beschwerden sind:

Diese Symptome können auch dann auftreten, wenn noch keine ausgeprägten sichtbaren Krampfadern vorhanden sind. Umgekehrt gibt es auch sichtbare Varizen, die kaum Beschwerden verursachen. In beiden Fällen ist eine fachgerechte Untersuchung sinnvoll, um das tatsächliche Ausmaß der Venenerkrankung zu beurteilen.

Welche Stadien der chronischen Venenschwäche gibt es?

Zur Beurteilung der Schwere einer Venenerkrankung verwende ich die international etablierte CEAP-Klassifikation. Sie hilft, den klinischen Befund einzuordnen und die weitere Behandlung sinnvoll zu planen.

Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich Spätfolgen vermeiden. Spätestens ab Stadium C3 ist eine Behandlung aus medizinischer Sicht in der Regel dringend zu empfehlen.

Wie werden Krampfadern diagnostiziert?

Eine sichere Diagnose von Krampfadern stützt sich nicht nur auf das äußere Erscheinungsbild. Entscheidend ist die genaue Beurteilung der Funktion des Venensystems. Nur so lässt sich feststellen, welche Venen betroffen sind und welche Behandlung medizinisch sinnvoll ist.

Warum ist die Farb-Duplexsonographie der Goldstandard bei Varizen?

Die wichtigste Untersuchung ist die Farb-Duplexsonographie. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ultraschalluntersuchung der Venen, mit der ich sowohl die Anatomie als auch den Blutfluss exakt beurteilen kann. Diese Untersuchung ist schmerzfrei, ohne Strahlenbelastung und liefert sehr präzise Informationen.

Mit der Farb-Duplexsonographie untersuche ich unter anderem:

Diese Informationen sind entscheidend für die Wahl des optimalen Behandlungsverfahrens. Die Untersuchung dauert meist etwa 20 bis 30 Minuten und erfolgt typischerweise im Stehen, weil sich die Venen in aufrechter Position am besten beurteilen lassen.

Was gehört noch zu einer gründlichen Venenuntersuchung?

Zusätzlich zur Ultraschalluntersuchung beurteile ich immer auch den klinischen Befund. Dazu gehören sichtbare Krampfadern, Schwellungen, Hautveränderungen und die Beschaffenheit der Haut am Unterschenkel. Ebenso wichtig ist eine ausführliche Anamnese.

Ich frage Sie dabei unter anderem nach:

Erst das Zusammenspiel aus Gespräch, klinischer Untersuchung und Duplexsonographie erlaubt eine verlässliche Beurteilung Ihrer Venensituation.

Wie kann ich Krampfadern vorbeugen?

Nicht jede Venenschwäche lässt sich vollständig verhindern, vor allem dann nicht, wenn eine deutliche genetische Veranlagung besteht. Dennoch können Sie selbst viel dazu beitragen, das Fortschreiten einer Venenerkrankung zu verlangsamen und Beschwerden zu reduzieren.

Welche Bewegung hilft gegen Krampfadern?

Regelmäßige Bewegung ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung. Sie aktiviert die Wadenmuskelpumpe und unterstützt dadurch den venösen Rückfluss zum Herzen.

Besonders geeignet sind:

Auch im Alltag können kleine Maßnahmen viel bewirken. Wenn Sie viel sitzen oder stehen, sollten Sie Ihre Position regelmäßig verändern, kurze Gehpausen einlegen oder einfache Übungen wie Fußkreisen und Zehenstand durchführen.

Welche Alltagsgewohnheiten entlasten die Venen?

Auch im täglichen Leben gibt es mehrere Möglichkeiten, Ihre Venen zu entlasten:

Gerade bei bestehenden Beschwerden kann die konsequente Umsetzung solcher Maßnahmen bereits zu einer spürbaren Besserung führen.

Wann sind Kompressionsstrümpfe sinnvoll?

Bei einer nachgewiesenen Venenschwäche können medizinische Kompressionsstrümpfe eine sehr wirksame Unterstützung sein. Sie fördern den venösen Rückfluss, reduzieren Schwellungen und lindern Beschwerden wie Schweregefühl oder Spannungsgefühl.

Besonders sinnvoll sind Kompressionsstrümpfe:

Welche Kompressionsklasse im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom Befund ab. Das bespreche ich nach der Untersuchung individuell mit Ihnen.

Wann sollte ich wegen Krampfadern einen Gefäßchirurgen aufsuchen?

Eine fachkundige Venenuntersuchung ist nicht erst dann sinnvoll, wenn die Krampfadern stark ausgeprägt sind. Ich empfehle eine Abklärung bereits dann, wenn erste Hinweise auf eine Venenschwäche bestehen.

Besonders ratsam ist eine Untersuchung, wenn:

Je früher eine Venenerkrankung erkannt wird, desto gezielter kann ich mit Ihnen besprechen, ob zunächst vorbeugende Maßnahmen ausreichen oder ob bereits eine spezifische Behandlung empfohlen ist.

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